ostern18   meditationsbild

Nehmen Sie sich doch kurz die Zeit und betrachten sie sich dieses Bild. Wir sehen eine Steinmetzarbeit. Vor vielen hundert Jahren hat ein Steinmetz diese Figuren hoch oben in das Kapitell einer Säule eingearbeitet.


Betrachten Sie sich dieses Bild genauer. – Es zeigt eine Person, die offensichtlich eine andere über der Schulter trägt. – Was da wohl passiert ist? – Der Eine ist auf die Hilfe des Andren angewiesen. – Getragen sein.


Die beiden Gestalten erinnern an eine uralte christliche Darstellung: den guten Hirten, der das verlorene Schaf voll Freude auf seinen Schultern nach Hause trägt.








 

Wie weit darf „Auferstehung“ gehen? Wie weit darf Gott barmherzig sein?
Wo endet die christliche Hoffnung?

 Der Jesuit Christoph Wrembeck bezeichnet dieses Bild mit dem Titel: „Judas, der Freund“ und schreibt darunter: „Du, der du Judas trägst nach Hause, trage auch mich.“
Judas? Der Judas? Der Verräter? Sollte dieser Judas nicht in der Hölle schmoren, da er Christus verraten und sich bewusst abgewendet von der Liebe Gottes hat? Da trägt Jesus also, wie der gute Hirte, den verlorenen Judas nach Hause.
Kann das sein? Darf das sein? – Judas, der Verräter, zuhause bei Gott?

Stellen Sie sich das einmal vor. Am Ende, steht da ein Gott, der selbst dem größten Sünder voll Liebe und Barmherzigkeit begegnet. – Halten wir das aus? Diese unendliche Liebe, die sogar einem Judas vergibt?

Der Steinmetz, der dieses Kapitell in Stein gemeißelt hat, trifft eine radikale Aussage: Gottes Liebe reicht tiefer als alles menschliche Versagen. Das Leben, das Gott uns durch die Auferstehung Jesu geschenkt hat, ist größer als der Tod. Das Ja Gottes zu uns Menschen, lässt sich nicht einmal vom Nein der Menschen schrecken.

Ich weiß nicht, wie Sie damit umgehen. Wie beantworten Sie die Frage nach der Barmherzigkeit Gottes und auch nach seiner Gerechtigkeit, nach dem Tod?
Ich denke, die Hoffnung auf Erlösung, die hier ausgedrückt wird, ist wahnsinnig schön. Jedenfalls finde ich diese Hoffnung viel schöner als die Schreckensszenarien, welche den Menschen über viele Jahrhunderte mit dem Qualen des Höllenfeuers verkündet wurden.


Wie weit darf „Auferstehung“ gehen? Wie weit darf Gott barmherzig sein?

Ich denke, dass Gottes barmherzige Liebe weitaus größer ist, als wir uns begrenzte Menschen mit unserem engen Geist vorzustellen vermögen.

Eine gesegnete Osterzeit wünscht Ihnen
Ihrer Pfarrer Michael Hirmer