„Nicht beim Kreuz stehen bleiben – aber auch nicht achtlos daran vorbeigehen.“

Der Karfreitag ist der stillste und ernsteste Tag im Kirchenjahr. Kein Weihwasser, kein Glockenläuten, keine festliche Musik – und doch ist dieser Tag voller Kraft. Denn heute wird uns das Kreuz vor Augen geführt. Unausweichlich. Einladend. Heilsam.

Schauen wir das Kreuz – oder übersehen wir es?

Pfarrer Lucas Lobmeier eröffnete seine Predigt mit einem Blick auf die Erstkommunionkinder, die beim letzten Intensivsonntag transparente Glaskreuze bunt gestaltet hatten – mit Regenbögen, Blumen und ihren eigenen Namen. Echte Hingucker, ganz persönlich und einzigartig.

Doch dann stellte er die entscheidende Frage: Sehen wir das Kreuz eigentlich noch? Oder ist es uns so vertraut geworden, dass wir achtlos daran vorbeigehen?

Am Lied „Kreuz, auf das ich schaue“ (GL 270) entfaltete er drei Einladungen: Das Kreuz als Zeichen der Nähe Christi – auch dort, wo wir ihn nicht spüren. Das Kreuz als Zufluchtsort in schweren Tagen, wo wir Sorgen und Ängste ablegen dürfen. Und schließlich das Kreuz als Wegbegleiter – nicht zum Stehenbleiben, aber auch nicht zum Achtlosvorbeilaufen.

Die Enthüllung und Verehrung des Kreuzes

Der Höhepunkt der Liturgie war die feierliche Enthüllung und Verehrung des Kreuzes. Dreimal erklang der Ruf: „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen“ – und die Gemeinde kam nach vorne. Still, nachdenklich, bewegt. Jeder Schritt ein persönlicher. Jede Berührung ein Gebet.

Ein Kreuz aus Bethlehem

Ein besonderer Moment gehörte den Erstkommunionkindern: Sie erhielten ihr persönliches Erstkommunionkreuz – handgefertigt von Christinnen und Christen in Bethlehem. Von der Geburtsstadt Jesu in die Hände unserer Kinder – ein Zeichen weltweiter Verbundenheit aller Getauften.

In die Stille – und in einen neuen Tag

Nach der Kreuzverehrung wurde das Heilige Grab enthüllt. Die Gemeinde verweilte. Die Kirche schwieg.

Doch Pfarrer Lobmeier ließ uns mit einer Hoffnung gehen: Es geht weiter. Durch die Grabesruhe. Durch die Nacht. Hin zu einem neuen Tag – und einer neuen Perspektive auf das Leben.

Der Karfreitag ist nicht das Ende. Er ist der Weg dorthin.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner