Pfarrei Teublitz 0139Das Gebet des Herrn, das Vaterunser, ist wohl das Gebet der Menschheit, das in so ziemlich alle Sprachen übersetzt worden ist. In der Vaterunser-Kirche hoch oben auf dem Ölberg lud Pfarrer Hirmer die Pilgergruppe deshalb ein, das Herrengebet zu meditieren. In der Grotte der Kirche versammelten sich die Pilger zum Morgengebet. Pfarrer Sven Grillmeier trug einen Text von Gruppenführer Nidal Nakash vor, der die Gedanken der Gläubigen schweifen lies. Folgenden spirituellen Impuls gab Pfarrer Hirmer:



Spiritueller Impuls – Vaterunser-Kirche – Beginn der Wallfahrt

Zu Beginn des Tages – zu Beginn dieser Pilgerfahrt … frage ich mich:

Was erwarte ich mir von diesem Tag – von dieser Pilgerfahrt?

Wie stehe ich Heute und Hier vor Gott?

Auf was freue ich mich? – Wovor habe ich Angst?

Zu Beginn des Tages – zu Beginn dieser Pilgerfahrt … frage ich mich:

Was bedeutet „beten“ für mich?

Wann und wie bete ich?

Was hat mein Beten mit meinem Leben zu tun?

Wie bete ich das Vaterunser?

Wie kann diese Pilgerreise für mich zum Gebet werden?

Erfahre ich im Gebet Gottes Gegenwart?

Auf dem Bergkamm des Ölbergs genossen die Pilger aus Bayern den Blick über die Altstadt von Jerusalem. Der muslimische Felsendom leuchtete mit seiner goldenen Kuppel vom Tempelberg entgegen. Die Geschichte der Heiligen Stadt in all seiner Zerrissenheit von Nidal dargestellt.

Ein Stück weiter den Ölberg hinab findet sich die Kirche „Dominus flevit“ (Der Herr weinte). Hier feierte die Gruppe in Blick auf die Heilige Stadt Eucharistie, der Pfarrer Grillmeier vorstand. Im Evangelium verkündete Diakon Heinrich Neumüller den Abschnitt, als Jesus die Stadt Jerusalem sah und über ihr Schicksal weinte: „Du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt. Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt!“

Spiritueller Impuls – Dominus flevit – Der Herr weint heute über …

Über was würde Jesus heute weinen?
Weit Jesus über mein verstocktes Herz? Weil ich nicht erkenne?
Über was weit Jesus in meinem Leben? 
Welche unerlösten Ecken und Kanten habe ich?

Über was weint Jesus heute in seiner Kirche?
Über was weint Jesus heute in dieser Welt?

Wir blicken auf Jerusalem, die Stadt über die Jesus weinte.
Blicken wir auf Jerusalem, eine Stadt voller Konflikten und Sehnsucht nach Frieden.

Beten wir um Frieden und Hoffnung!
Beten wir, dass wir unsere Herze für Seinen Frieden öffnen!

 

Am Fuße des Ölbergs befindet sich der Garten Gezemane, in der Jesus vor seiner Verhaftung und seinem Leiden in Todesangst gebetet hat. Die Heiligkeit dieses Ortes war für die Pilgergruppe jedoch nur schwer zu erahnen. Dicht an dicht wurden die Bayern an Ölbäumen aus der Zeit Jesu vorbei durch die „Todesangst-Kirche“, welche einem nächtlichen Olivenhain nachempfunden ist, geschoben. Aus dem Gedränge befreit, zog die Gruppe durch das Kidrontal hinauf zur Altstadt und betraten diese durch das Stefanstor, das auch Löwentor genannt wird. Dort wartete der unverhoffte Tageshöhepunkt auf die Pilgergruppe.

Nahe des Stefanstor hinter dem Areal des Tempelberges liegt die Kreuzfahrerkirche St. Anna. Hier soll die Mutter Mariens, die heilige Anna, gelebt und ihre Tochter geboren haben. Die wunderbare Akustik lud die Pilgergruppe zum Gesang ein: „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn.“
Neben der Kirche erstreckt sich der Teich Betesda, an dem Jesus einen Gelähmten geheilt hatte. Hier feierte die Gruppe einen spontanen und deshalb wohl so ergreifenden und anrührenden Heilungsgottesdienst. Mit einfachen Worten erklärte Pfarrer Hirmer die spirituelle Bedeutung des Ortes:

Spiritueller Impuls – Gott ist Heil – Heilungsgottesdienst

„Der Gelähmte war ausgeschlossen vom Heil. Hier war eine Kultstätte eines heidnischen Gottes. Doch der Gelähmte konnte sich nicht ins Wasser schleppen. Ausgeschlossen war er, vom Heil der heidnischen Götter. Ausgeschlossen aber auch vom Heil des Tempels, der hier gleich neben an ist. Die Juden glaubten, dass er durch seine Behinderung unrein ist und ihm deshalb nicht erlaubt ist, durch jüdische Zeremonien heil zu werden. – Und jetzt! Begegnung mit Jesus! Dort wo Begegnung mit Jesus ist, wo Menschen in Beziehung mit Jesus stehen: Dort ist Heil! In der liebenden Beziehung zu Jesus Christus erfährt der Mensch Heil, kann er gesund leben mit dem was ihm belasten, kann sich erfahren als wertvoller und geliebter Mensch, kann er gesund werden an Körper, Geist und Seele.

Wir wollen in Stille beten, für alle Menschen, die sich nach diesem Heil sehnen. Schließen Sie die Augen und stellen sich einfach einen konkreten Menschen vor, der leidet, der krank ist, der schwere Lasten zu tragen hat. Stellen sie sich einen Menschen vor, der in unheilsamen Beziehungen lebt. – Beten sie für diesen Menschen in Stille. Bitten sie den Heiland, bitten Sie Jesus für diesen Menschen um sein Heil.“

Nach dem Impuls luden die beiden Pfarrer die Gläubigen ein, nach vorne zu treten und den Namen den Menschen zu nennen, für den sie in Stille gebetet habe. Als Zeichen des Heiles Jesus Christus legten die Priester den Betenden die Hände auf uns salbten sie mit Öl.
Dieses Gebet um Heilung und die einfache Zeichenhandlung ergriff die Pilger tief im Herzen. Lange wurde geschwiegen, gebetet und so manche Träne der Verbundenheit wurde vergossen. Nach diesem bewegten Moment konnte jeder noch seinen Gedanken in und um die Mutter-Anna-Kirche und dem Teich Betesda nachsinnen.

Von St. Anna ging es dann über die berühmte Via Dolorosa, dem Kreuz- und Leidensweg Jesu, hinauf zur Grabeskirche mit dem Hügel Golgota, auf dem Jesus gekreuzigt wurde. Völlig anders präsentierte sich dieser Weg, den die Pilgergruppe am Vorabend betend gegangen ist. Voller Trubel waren die engen Straßen. Markt und Geschrei, Gedränge und Gezerre forderten den Pilgerführern alles ab, die Gruppe im Gewirr der Altstadt Jerusalems zusammen zu halten.
Vor der Grabeskirche waren so viele Menschen versammelt, dass es aussichtslos war, mit einer so großen Gruppe hinein zu gelangen. Grund war die große feierliche Prozession der armenischen Christen, angeführt von dessen Patriarchen, die in der Grabeskirche ihr Fest „Kreuz-Auffindung“ feierten.

Zum Sonnenuntergang endete der jüdische Sabbat und die bayerischen Pilger machten sich auf, um eine alte Bekannte und Mitstudentin von Pfarrer Grillmeier und Pfarrer Hirmer zu treffen. Gabi Zinkl, studierte mit den beiden Theologie, promovierte in Kirchenrecht und war beim der Diözese im Konsistorium angestellt. Vor gut zwei Jahren entschloss sie sich, in den Orden der Boromäerinnen in Jerusalem einzutreten. Am Fest des Ordensgründers Karl Boromäus empfing Sr. Gabriela die Pilgergruppe und führe durch den Kindergarten und das Gästehaus. Im Gespräch erhielten die Pilger viele interessante und spannende Einblicke in das Leben von palästinensischen Kindern. Als Dankeschön übergaben Pfarrer Hirmer und Pfarrer Grillmeier Geldspenden.

Nach dem Abendessen im Paulushaus führte Pfarrer Hirmer die Gruppe noch durch die Ausstellung im Keller der Pilgerunterkunft, welche eine wertvolle historische Sammlung beinhaltet und bekannte Modelle des Tempels zur Zeit Jesu birgt.

Der Tag endete mit einem gemeinsamen Tagesabschluss, in dem der Tag Gott zurück in die Hände gegeben wurde:  „Diesen Tag Herr, leg ich zurück in deine Hände, denn du gabst ihn mir.“ 

 

Jerusalem 04.11.2017