Pfarrei Teublitz 076Der Vormittag fühlte sich doch schon irgendwie an wie Weihnachten. Nicht weil es nach Betlehem, an den Ort der Geburt Jesu Christi ging. Vielmehr kamen weihnachtliche Gefühle auf, weil sich die bayerischen Pilger zurück versetzt sahen in ihre Kindheit, wo sie gespannt und lange vor das Tür auf das Christkind warten und hin und wieder einen Blick durch Schlüsselloch erhaschen konnten. – Aber der Reihe nach! – Nidal der gewitzte Guide hecke mit Pfarrer Michael Hirmer den Plan aus, führzeitig an der Geburtsgrotte zu sein, weil man ja sonst zu lange warten müsste. Es ging durch die kleine enge Tür in die Geburtskirche, wo die Griechen ihre Göttliche Liturgie feierten. Die Gruppe durfte sich anstellen: Als erste stand man auf den Stufen, die hinab zum berühmten Stern von Betlehem führen, der die Geburtsstelle Jesu markiert. Jedoch – und das hatte etwas kindlich Weihnachtliches – galt es jetzt zu warten, wie einst auf das Christkind am Heiligen Abend. Denn zuerst feierte ein wohl beleibter Franziskaner Gottesdienst in der Grotte. Anfragen auf Konzelebration und Mitfeier bayerische Pilger wurde jäh verneint. Doch nach dem katholischen Ordensmann, der eine gute halbe Stunde für die Messe brauchte, kamen die armenischen Christen, die ganze eineinhalb Stunden für ihren sonntäglichen Gottesdienst benötigten. Und die Pilger, saßen wartend auf den Stufen, hoffend auf Einlass. Gegen Mittag war es dann so weit. Endlich!

Die lange Wartezeit nutzen Nidal und Pfarrer Hirmer um Informationen zur Kirche zu geben und einen spirituellen Impuls zu halten:


Spiritueller Impuls – auf Augenhöhe – zum Eingang in die Geburtskirche

Gott wird klein in Betlehem: Ein Mensch wie wir.
Wer die Geburtskirche betreten will, muss sich klein machen. 
Wer dem menschgewordenen Gott begegnen will, muss das Haupt seiner Hochmut beugen.
Wer dem Kind auf Augenhöhe begegnen will, muss in die Knie gehen.


Wichtig war den beiden Priestern Grillmeier und Hirmer, dass die Gruppe den Ort der Geburt Jesu als Pilger im Gebet erfahren. So sangen einige Pilger in der Geburtsgrotte weihnachtliche Lieder, während alle auf die Knie gingen, um den 14strahligen Stern von Betlehem zu berühren. Auch viele andere Pilger und Priester verschiedener Konfession stimmten in „Adeste Fideles“ oder „Stille Nacht“ mit ein. Im Hof der katholischen Katharinen-Kirche verkündete Diakon Neumüller das Weihnachtsevangelium nach Lukas, ehe die Pilger zu den Hirtenfeldern aufbrachen. Vorher galt es aber den Leib mit einem schmackhaften arabischen Essen zu stärken.

In der Kirche auf den Hirtenfeldern stimmten Pfarrer Grillmeier und Pfarrer Hirmer ein Hirten- und Gloria-Lied an. Alle waren ringsum den Altar im Kreis versammelt. Die Akustik der Kirche lies den gemeinsam gesungenen Refrain tief in die Herzen der Mitfeiernden dringen. Beim Vaterunser reichten sich die bayerischen Pilger die Hand mit Christen aus Südkorea und Nigeria, die sich spontan dem Gebet anschlossen. Viele Pilger nahmen als Andenken einen Stein von den Hirtenfeldern mit, den sie als Andenken an Weihnachten in die Krippen legen werden. Veronika und Matthias Kalb nahmen sogar eine ganze Tüte voller Steine mit, die sie beim nächsten Zwergerlgottesdienst an die Kinder verteilen werden.


Spiritueller Impuls – Herodes und Jesus – aus dem Teublitzer Pilgerheft
Im Teublitzer Pilgerhefe fand sich zum Weihnachtsevangelium folgende Meditation:

Herodes – weltliche Macht
Er bekam den Beinamen „der Große“, denn Großes hat er geleistet. Er errichtete Städte (Cäsarea), er baute schier unbezwingbare Verteidigungssanlagen (Masada) und noch heute beten die Juden an der Westmauer des Tempels, den Herodes in Auftrag gab. Natürlich war er ein ausgebuffter Politiker, der es mit der schönen Kleopatra genauso konnte wie mit den mächtigen Römern seiner Zeit. Als kluger Diplomat verstand er es, seine Herrschaft im Spannungsfeld von Rom und Jerusalem zu festigen.  Doch um welchen Preis? Herodes war ein kaltblütiger Tyrann, der nicht davor zurückscheute, Ehefrau und Kinder zu töten. Der Kindermord von Bethlehem (Mt 2,16 ff.) spielt auf seine Gewaltherrschaft an.

Das Kind von Betlehem – göttliche Ohnmacht - Die wehrlose Liebe Gottes
Eine ganze andere Macht begegnet uns im Kind von Betlehem:
Kein großer Palast - ein Stall.
Kein Hofstaat - Ochs & Esel.
Keine Armee - arme Hirten.
Keine Diplomatie - Mutterliebe.

Der Eine vertraut auf Waffen - der Andere hofft auf uns!
Der Eine vertraut auf Macht - der Andere auf Gottes Liebe!
Der Eine greift durch, herrscht - der Andere gibt sich hin!

Gott streckt seine Arme aus 
nach dir!
Gottes Liebe siegt!

Mit Weihnachten begann dieser Tag in Betlehem und sollte mit Ostern in Emmaus enden. Durch Check-Points hindurch an der Mauer, welche Israel und Palästina so hart trennt vorbei, ging es in eine Oase des Friedens und der gelebten christlichen Nächstenliebe. In Emmaus Qubeibe haben Sr. Hildegart und ihre Mitschwestern vom Orden der Salvatorianerinnen einen Ort geschaffen, „an dem Wunder geschehen“, so Pfarrer Hirmer in seiner Begrüßung. Denn inmitten einer palästinensichen Exklave, umgeben von Mauern aus Stein und so mancher Mauer in den Herzen, schafften die Schwestern es durch ihr Engagement Menschen zu fördern, zusammen zu bringen und unmenschliche Denkmuster zu überwinden.

Im Garten der Schwestern feierte die Pilgergruppe Eucharistie. Dabei feierten auch die Christen aus der Umgebung, die Schwestern und europäischen Freiwilligen die sonntägliche Messe mit. „Bleibe, Herr, bei uns, denn es wird Abend!“, so baten die beiden Emmaus-Jüngern den unerkannten Auferstandenen, der sich nach Emmaus begleitete. „Und sie erkannten ihn als er das Brot mit ihnen brach“. So feierten die Pilger in den Abend hinein diesen Gottesdienst und erkannte, wie damals die Jünger und wie bei jeder Messe, dass beim Brechen des Brotes der Auferstandene mitten unter ihnen war.


Spiritueller Impuls – Emmaus – Einleitung zum Gottesdienst

Zwei Jünger gingen nach Emmaus, enttäuscht, entmutigt, ohne jede Hoffnung. Sie blickten nicht mehr durch, sahen keinen Ausweg mehr. In ihrer Trauer und Trostlosigkeit erfahren sie, dass Jesus lebt und mit ihnen auf dem Weg ist. Unbemerkt ist er zu ihnen gestoßen und hat sich auf ihre Sorgen und Nöte eingelassen.
Jetzt, hier in Emmaus, versuchen wir, uns mit den beiden Jüngern von Emmaus auf den Weg zu machen. Was dort geschehen ist, geschieht immer wieder. Emmaus ist überall.


Zurück im Jerusalem im Paulus-Haus endete der Tag mit dem Abendgebet und dem dankenden Rückblick: „Diesen Tag Herr, lege ich zurück in deine Hände, denn du gabst ihn mir.“

Betlehem, Emmaus, Jerusalem 04.11.2017