Pfarrei Teublitz 0098Vom See Genezareth brach die Gruppe auf, um ins Bergland von Galiläa nach Nazareth zu fahren. Dort stand die Gottesmutter Maria im Mittelpunkt. In der Mitte der Stadt findet sich der Verkündigungsbrunnen, an dem laut ostkirchlicher Tradition der Engel Gabriel der Jungfrau erschienen ist, um ihr die Geburt des Erlösers zu verheißen. In der orthodoxen Gabrielskirche konnten die Pilger einen kleinen Ausschnitt der Liturgie in arabischer und griechischer Sprache miterleben. Sie stellt einen Dialog zwischen Gott und dem Menschen dar.



Durch den Basar ging es dann zur katholischen Verkündigungskirche. Hier hat, nach westkirchlicher Tradition, der Erzengel Gabriel die junge Frau Maria überrascht und ihr verkündet, dass sie Mutter Gottes sein solle. Rund um und in die größte christliche Kirche des Nahen und Mittleren Ostens befinden sich Mariendarstellungen aus allen Herrenländern. Besonders interessant ist das Marienbild aus Deutschland. Es zeigt zwei durch eine Mauer getrennte Personen unter dem Schutzmantel der Madonna. Die Teilung Deutschlands klingt hier an. Dieses Bild wurde gut einen Monat vor dem Mauerfall im Vorhof der Kirche angebracht, der sich gestern jährte. Tatsächlich waren es Christen, die Montag für Montag über Jahre hinweg in Leipzig friedlich gebetet haben und so zur Keimzelle des Mauerfalles wurden. Passend zur Darstellung des deutschen Marienbildes stimmten die beiden Pfarrer das Lied „Maria breit den Mantel aus“ an und beteten gemeinsam mit allen Pilgern den „Engel des Herren“. In der unteren Kirche konnte die Gruppe das Haus Mariens verehren. Die alten Gemäuer wurden durch die Byzantiner und später durch die Kreuzfahrer überbaut und immer wieder zerstört, bis schließlich in den 60ger Jahren die heutige große Doppelkirche entstand.

Nach dem Besuch der Verkündigungskirche gingen die Pilger zu den „kleinen Brüdern“, in dessen idyllischen Garten Eucharistie gefeiert wurde. Pfarrer Grillmeier führte in seiner Predigt aus, dass Gott auf das Ja Mariens wartete und zitierte ein Gemälde aus der Kirche St. Maria sopra Minerva in Rom. „Dort wartet Gott Vater im Himmel gespannt auf die Antwort Mariens und der Heilige Geist rudert noch einmal zurück, um Marias Zusage abzuwarten.“ Dies habe, so der Geistliche, eine tiefe Bedeutung auf für uns: „Es gibt keine göttliche Heilsvergewaltigung!“, spitze der Pfarrer zu: „Gott wartet auf unser Mitwirken und unser Zutun und will unseren freien Wille nicht übergehen.“ Maria trägt das Ihre im Erlösungswerk Gottes durch ihr Ja bei. „Können wir Ja sagen zu Gottes Erlösung? Gott wartet auch auf unser Ja voll Spannung und voll Freude."

Auf dieser Pilgerfahrt sind auch die Begegnungen mit Menschen wichtig. „Denn entscheiden sind nicht tote Steine, sondern die Menschen“, stellte Pfarrer Hirmer schon vor der Pilgerfahrt bei den Vorbereitungstreffen immer wieder klar. Die Begegnung in Nazareth mit Sr. Klara war des halb wichtig für das Ganze der Pilgerreise. Die Salvatorianer-Schwestern betreiben in Nazareth eine große christliche Schule, in der Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur gehen. „Wir haben dabei eine Abitur-Quote von über 90%“, berichtet Sr. Klare stolz: „Denn Bildung ist das Wichtigste und das Beste, was wir unseren Kindern schenken können.“ Jedoch ist diese Bildung der aktuellen israelischen Regierung ein Dorn im Auge. „In den jüdischen Religionsschule lernen sie nur die Tora und kaum Allgemeinbildung“, beklagt die Schwester: „Die Regierung wollte die christlichen Schulen verstaatlichen. Dagegen haben wir gestreikt und erfolgreich protestiert."
Die Sternsinger der Pfarrgemeinde Herz Jesu Teublitz unterstützen seit drei Jahren die Schule der Salvatorianerinnen, dich sich besonders auch um benachteiligte Kinder und Jugendliche annimmt. Sr. Klara bedankte sich deshalb bei den Sternsingern für ihren Einsatz und Engagement. Pfarrer Grillmeier und Pfarrer Hirmer übergaben auch Spenden aus den jeweiligen Pfarrgemeinden.

Von Nazaret brach die Pilgergruppe zur letzten Station ihrer Reise auf: Dem Berg Tabor, dem Berg der Verklärung Jesu. Hier begegnen dem verklärten Christus die Vertreter des Alten Testaments: Mose und Elija. Die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes werden Zeugen, als eine Stimme aus dem Himmel ruft: „Das ist mein auserwählter Sohn, an ihm habe ich Gefallen gefunden.“
Mit Shuttletaxis ging es dem hohen Tabor. Vor dort bot sich ein wunderbarer Blick auf die Jesreel-Ebene, eine der fruchtbarsten Gebiete des Heiligen Landes. In der Kirche ist auf dem großen Mosaik in der Apsis die biblische Erzählung von der Verklärung Jesu dargestellt. In den Türmen befinden sich zwei Kapellen: eine für Mose und eine für Elija, denn Petrus wollte drei Hütten bauen, um diesen Augenblick der Klarheit festzuhalten.
Neben der Kirche gab Pfarrer Michael Hirmer einen kurzen geistlichen Impuls zur „Verklärung des Herrn“.


Geistliche Impuls – Berg Tabor – Verklärung

Alles klar?! – Kennen sie diese Momente, in denen alles klar ist; wo alles wunderbar ist; perfekt; schön? 
Alles klar?! – Gab es so einen besonderen Moment für Sie auf dieser Pilgerreise. Einen Augenblick, der für sie einfach besonders war, in dem sie sich getragen, ja geliebt fühlten. Einen Augenblick der Erfüllung? – Oder gab es so einen Moment der Harmonie und des Glücks, ja der Begegnung mit Gott, schon einmal in ihrem Leben? – Erinnern Sie sich an diesen Moment? Holen Sie diesen Augenblick noch einmal vor ihr geistiges Auge.
Alles klar! – Verklärung! – das geschah auch hier auf dem Berg Tabor. Hier wurde sonnenklar, wer Jesus ist und was er für die Jünger und auch für Mose und Elija bedeutet. – Dieser Moment war letztlich vollendet durch Gottes Liebe: „Dies ist mein geliebter Sohn!“ –
Klar!, dass Petrus diesen Moment der Vollkommenheit festhalten wollte. Es wollte Hütten bauen, wollte ewig in diesen Moment leben und einfach in dieser vollkommenen Liebe Gottes sein. – Klar!, auch Sie hätten wohl gerne diesen besonderen Moment voller Harmonie und Glück festhalten wollen, an den Sie gerade gedacht haben.

Aber … Es geht wieder hinab vorm Berg der Verklärung, hinein in den Alltag. Für Jesus heißt das, es geht hinab ins Leiden und sogar ganz tief in den Tod. – Ja, auch das ist unser Leben. Diese Tiefen, diese Niederschläge, diese Abgründe von Leid und Tod, in allen seinen Facetten.
Aber … Jesus Christus geht mit den Jüngern diesen Weg nach unten. Er geht diesen Weg auch mit uns.

Das Schöne ist, dass Gott uns auf unserem Lebensweg immer wieder dieser verklärten Momente schenkt. Sie sind für mich so Steckdosen, an denen ich meine Seele aufladen kann. Sie sind Kraftquellen auch für die Wegstrecken, die in den Abgründe des Dunkels meines Lebens führen.
Erinnern Sie sich immer wieder an diese Momente der Verklärung in ihrem Leben. Gott hat sie Ihnen voll Liebe geschenkt. Weil er auch ihnen, wie damals den Jüngern zeigen will, was in der ewigen Vollendung einst einmal auf uns warten. Dann wenn die ewige Verklärung unseres Lebens auf uns wartet: Der nie endende Moment SEINER unendlichen Liebe.

Zurück im Pilgerhaus in Tabgha am See von Galiläa endete der Tag, wie immer, mit einem abendlichen Gebet: „Diesen Tag, Herr, leg ich zurück in deine Hände.“ 

 

Tabgha  10.11.2017