Pfarrei Teublitz 00„Heute haben wir ein Wunder erlebt. Wir haben erfahren, was es „Brotvermehrung“ heute bedeutet!“, so fasste Pfarrer Michael Hirmer den vorletzten Tag der Pilgerreise ins Heilige Land zusammen. Dabei spielte er auf das Brotvermehrungs-Fest an, dass die Pilgergruppe gemeinsam mit den Benediktiner-Mönchen, den Administrator des lateinischen Patriarchen, dem Bischof von Nazareth und vielen Gläubigen aus nah und fern gefeiert haben. „Ich denke, dass Jesus damals nicht nur fünf Brote und zwei Fische vermehrt hatte. Ich denke, nicht nur Brotvermehrung sondern wohl zuerst eine Liebesvermehrung ist dort durch Jesus bewirkt worden."

 

Diese „Liebe“ konnten die Pilger aus Bayern am Vormittag erleben, als sie zusammen mit vielen Christen Gottesdienst und anschließend Mahl gefeiert haben. In vielen Sprachen beteten Christen gemeinsam an dem Ort, an dem Jesus das Brotwunder gewirkt und die Menschen satt machte. Diakon Neumüller und die beiden Pfarrer Grillmeier und Hirmer wurden von den Benediktinern zur Konzelebration eingeladen. Besonders berührend war eine große Gabenprozession, in der fünf große Körper voll Brot und auch zwei Fische auf den Stein gelegt wurden, wo auch Jesus für die Fünftausend das Brot brach. Nach dem Gottesdienst zog man mit den Körben in den wunderschönen Garten des Benediktinerklosters hinter der Brotvermehrungskirche. Hier fand ein großes Festmahl statt, bei dem man auch ins Gespräch mit Christen kam die vor Ort leben und glauben.

Nach dem Mittagsmahl brach die Gruppe dann in die ehemalige Kreuzfahrerstadt Akko auf, wo die Burg und die Altstadt besichtig wurde. Über das Karmel-Gebirge ging es dann nach Haifa. Der Tempel der Bahai-Religion lud hier zum abendlichen Blick auf das Meer ein.

Auf der Rückfahrt gab Pfarrer Hirmer noch einen geistlichen Impuls zum Propheten Elija, der auch auf dem Karmel lebte und wirkte:


Geistliche Impuls – Elija – Teublitzer Pilgerheft

Aus dem ersten Buch der Könige: 
Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Dann kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija das hörte hüllte er sein Gesicht in den Mantel und trat hinaus. (1 Kön 19,11-13)

Als ein Mann voller Leidenschaft für den Herrn steht Elija in 1 Kön 17-19 für den einen Gott seiner Väter ein. Unerschrocken demonstriert er die Macht des Gottes Israel. Doch am Berg Horb muss Elija erkennen, dass Gottes Macht in der Sanftmut liegt. Nicht die Macht der Zerstörung, sondern die Macht der Liebe siegt.

Gott,
du bist der Allmächtige!

Doch deine Allmacht 
zwingt und herrscht nicht,
sie befreit.

Doch deine Allmacht,
zerstört und wütet nicht
sie ermutigt und baut auf.

Denn deine Allmacht
ist die scheinbare Ohnmacht
der Liebe:
voller Sanftmut
und Zärtlichkeit.


Geistlicher Impuls – Propheten sind wir alle

Propheten sind nicht Menschen, die weissagend in die Zukunft blicken können. Sie sind viel mehr Menschen, die mit den Augen Gottes in das Jetzt blicken und die Dinge der Zeit im Lichte Gottes erkennen und deuten vermögen.
So sprechen die biblischen Propheten unverblümt die Dinge an, wie sie sind, und verkünden dabei das oft unbequeme Wort Gottes. Freunde machen sie sich dabei meist nicht.
In der Taufe wurden wir alle mit Christus zu Propheten gesalbt. Gott sagt uns also zu, die Zeichen der Zeit richtig deuten um im Lichte der Frohen Botschaft erhellen zu können.
Das Schicksal eines Propheten teilen auch heute noch viele Glaubensbrüder in aller Welt.

 

Propheten sind wir alle,
auch du und ich

Wenn wir mit wachen Sinnen
durch die Straßen gehen.

Wenn wir mit vielen Händen
am selben Strick ziehn.

Wenn wir mit lauten Stimmen
alle Satten störn.

Wenn wir mit offnen Ohren
Gottes Wort hörn.

Wenn wir mit flinken Fingern
an der Armut drehn.

Wenn wir mit andren Augen
Gottes Schöpfung sehn.

Wenn wir mit flinken Fingern
Friedenshäuser baun.

Wenn wir mit frohen Herzen
in die Zukunft schaun. 

(Neues geistliches Lied)

Geistlicher Impuls – Kämpfer Gottes?

Elija kämpft für Gott  
 „Und Elija ließ sie zum Bach Kischon hinabführen und dort töten“,  so heißt es in 1 Kön 18,40. Gewalt, ja Mord war für  Elija ein rechtes Mittel, die Götzendiener des heidnischen Gottes Baal zu beseitigen und so die Größe des Gottes Israel zu demonstrieren. Doch am Berg Horeb muss der Prophet eine andere Lektion lernen. Gott kommt nicht gewaltig und mächtig in Sturm, Erdbeben und Feiern, sondern er begegnet dem Menschen zärtlich in einem sanften Windhauch.

Kreuzritten kämpften für Gott
Wir Gläubigen unserer Zeit können es nicht verstehen, dass im Namen des Kreuzes zum Schwert griffen wurde. Wie konnte man nur den aus Liebe Gekreuzigten mit dem Eifer und dem Hass des Schwertes verkünden wollen? Die Zeit der Kreuzzüge ist eine klaffende Wunde für die Christenheit - auch heute noch.

Ich kämpfe mit Gott
Ja, manchmal muss ich mit Gott kämpfen und ringen. Oftmals verstehe ich seine Wege nicht. Manchmal schreie ich zu ihm: „Wo warst du? Ist das gerecht? Wie kannst du das zulassen?“
Auch Elija, wie jede große Gestalt des Glaubens, kennt diesen inneren Kampf, diese innere Zerrissenheit. In 1 Kön 19,4 wünscht sich Elija einfach den Tod, weil er an Gott irre geworden ist.

Gott kämpft für uns
Doch in dieser Situation erkennt Elija, dass Gott sich für ihn einsetzt, für ihn kämpft und ihm neue Kraft zu leben schenkt. So kann die Geschichte des Elja eine Geschichte des Mutes und der Hoffnung für uns sein, wenn wieder einmal diese Fragen und Zweifel hochkommen und wir scheinbar irre werden an Gott.

 

 

Der Tag endete mit einem großen dankenden Rückblick auf die Pilgerwoche: "Diese Woche, Herr, leg ich zurück in deine Hände."

 

Tabgha  11.11.2017