Pfarrei Teublitz 001„Alles in Deutschland war neu für mich.“, lächelt der Pater John aus dem indischen Bundesstaat Kerala. Vor einem halben Jahr begann der Dienst des katholischen Geistlichen als Pfarrvikar in Teublitz, „Die Sprache, die Kultur, die Sitten und die Bräuche: Alles musste ich lernen.“
Seine neue Heimat fand Pater John im Teublitzer Pfarrhaus, wo Pfarrer Michael Hirmer, Haushälterin Alexandra Zeins und Pfarrsekretärin Waltraud Neumüller alles tun, damit sich der Pater aus Indien in Bayern wohl fühlt. „Auch Mesner Günter hilft mir immer, besonders beim Autofahrenüben.“, lächelt der Pfarrvikar, als er darauf anspielt, dass er jetzt erst einmal den deutschen Führerschein braucht, „viel Theorie muss ich lernen.“ Dafür hat ihn Pfarrer Hirmer eine App auf das Tablet installiert, mit der in englischer Sprache die Führerscheintheorie gelbüffelt werden kann.


„Ich habe mich sehr gefreut, als ich vom bischöflichen Ordinariat gebeten worden bin, einen indischen Mitbruder aufzunehmen.“, erinnert sich Pfarrer Hirmer und fügt hinzu, „jetzt ist die Freude noch viel größer, denn mit John einfach lieben Menschen und tollen Mitbewohner gefunden.“ Auch Pater John ist sehr glücklich, in Teublitz leben und wirken zu dürfen: „Viele nette Leute hier. Ich spreche mit ihnen, sie verstehen mich und sie helfen mir, wie ich besser sprechen kann.“ Jedoch muss der Geistliche zugeben, dass er sich mit dem bayerischen Dialekt noch schwer tut. Jedoch ist er voller Begeisterung, wenn er über die Mentalität der Teublitzer spricht: „Die Menschen hier sind sehr ehrlich. Die Leute hier sagen hier immer die Wahrheit. Sie loben, aber sagen auch, wenn es nicht gut war. Die Leute betonen hier immer das Positive, nicht das Negative. Und das motiviert mich.“ Jedoch wundert er sich, dass die Leute nach einem Gottesdienst sofort nach Hause laufen: „Nach der Messe gehen die Leute sofort nach Hause. In Indien sprechen die Leute miteinander. Nach der Messe ist hier die Kirche ist leer. In Indien ist nach der Messe die Kirche noch lange voll. Alle Menschen sind hier so beschäftigt mit allem.“ Beschäftigt erlebt der indische Pfarrvikar auch den Pfarrer in seiner Arbeit: „Er sitzt oft und lange im Büro, telefoniert und macht Offizielles.“

„Was mich an John fasziniert und was wir deutschen Pfarrer von unseren indischen Mitbrüdern vielleicht lernen können ist, dass wir mehr als Geistliche leben sollten.“, antwortet Pfarrer Hirmer auf die Frage, was er von Pater John lernen könnten, „ich denke, dass John uns deutsche Pfarrer als Einzelkämpfer wahrnimmt.“ In der Tat sind die indischen Geistlichen sehr gut in Deutschland vernetzt. Die Priester der Vinzens-Kongregation, der Pater John angehört, treffen sich monatlich zum Gebet und zum Austausch. Auch gibt es regen virtuellen Kontakt zu den indischen Priester, die in der Diözese Regensburg und darüber hinaus wirken.

Die Pfarrgemeinde Herz Jesu erlebt der Pfarrvikar aus Indien dagegen als sehr lebendig. „Wie hier Gottesdienst gefeiert wird ist sehr flexibel. Wir grüßen die Leute hier. In Indien ist alles strenger. Auch gehen wir hier mehr auf die Kinder ein, wenn sie sich zum Beispiel um den Altar stellen dürfen.“ In den vielen Veranstaltungen der Pfarrgemeinde ist Pater John mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Natürlich gehört da auch der Fasching dazu (siehe Fotos).

„Mittlerweile habe ich mich auch schon an das Wetter hier gewöhnt“, lächelt Pater John, der in Indien ganz andere Temperaturen gewöhnt ist und zeigt auf seinen dicken Pullover, „ich ziehe mich immer dick an. Das hilft.“ Noch nicht gewöhnt hat er sich an die Situation der Kirche hier: „Wenige kommen in die Kirche. Vielleicht gibt es verschiedene Gründe: Vielleicht Arbeit, Steuer, kein Interesse an der Kirche. Die Leute glauben, die Kirche ist sinnlos.“, und er fragt sich wie man dies überwinden könnte.

„Ich denke, dass Integration niemals eine Einbahnstraße ist.“, resümiert Pfarrer Hirmer nach einem halben Jahr des Zusammenlebens mit Pater John, „Ich denke, dass John auch uns viel geben kann. Wir lernen von seiner Gelassenheit und Freundlichkeit. Ich freu mich darauf mit ihm gemeinsam den gemeinsamen Glauben an Gott erleben und entdecken zu dürfen.“

Pater John wir voraussichtlich drei Jahre in Teublitz wohnen. Jedoch ist er nicht für die Pfarrgemeinde Herz Jesu angewiesen. Sobald er fit für die Pastoral ist, soll er als Springer in der Diözese Regensburg eingesetzt werden und dort aushelfen, wo Not am Priester ist.