Pfarrei Teublitz 006Acht Kilometer, die es in sich hatte. Ging es doch am vierten Tag der Pilgerfahrt nach Santiago über 600 Höhenmeter hinauf auf den Cebreiro-Pass auf 1350 Meter. Dabei konnten die Teublitzer Wallfahrer zwischen drei Möglichkeiten wählen. Den Fußweg für Pilger, den Weg für die Radpilger und den Bus. Zum Erstaunen vieler wählte Pfarrer Hirmer nicht die dritte Möglichkeit.

 



Bevor es hinauf zum Pass ging, besuchte die Gruppe noch die Ortschaft Villafranca. Dort findet sich eine alte Kirche mit der Vergebungspforte. Hier konnten die kranken und sterbenden Pilger einen vorzeitigen Ablass gewinnen. Nebenan befindet sich ein alter Pilgerfriedhof. Zwei Drittel der mittelalterlichen Pilger sahen das Grab des hl. Jakobus´ nie, weil sie auf dem Weg starben.
Neben Kirche und Friedhof befindet sich eine alte Pilgerherberge, die auch heute noch genutzt wird. Die Teublitzer Gruppe konnte diese, nachdem alle Fußpilger schon aufgebrochen waren, besichtigen.
Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann den Berg hinauf. Ein Genuss für alle Sinne. Viel gab es zu sehen, zu riechen und so hören. Gerade rechtzeitig schafften es die Teublitzer Wallfahrer auf den Pass zu kommen, denn das Wetter schlug schlagartig um. Gerade noch lag die Kirche am Pass im Sonnenschein, schon hüllte sie sich in nasskalten Regen. Umso besser schmeckte die Brotzeit in den Pilgerherbergen.
Bevor es wieder mit dem Bus ins Tal ging, feierte man in der aus dem 9. Jahrhundert stammenden Kirche gemeinsam Messe. An dem Ort soll sich ein Eucharistie-Wunder ereignet haben.


Predigt von Pfr. Michael Hirmer zum Tabor-Evangelium (Ausschnitte) - Mt 17,1-9

So ein Gipfelerlebnis ist schon etwas besonders. Es war einfach schön, hier her nach oben auf diesen Pass zu marschieren. Ich hatte zwei Wegbegleiter an meiner Seite. War Klasse mit ihnen das erleben zu dürfen.

Wunderbar war es auch für die drei Jünger mit Jesus als sie auf den Berg Tabor gestiegen sind. Auf den Tabor geht es ähnlich steil hinauf wie auf den Cebrairo. Und dort war alles klar! Verklärung. Einfach wunderbar, einfach perfekt, wunderschön dieser Augenblick. – Sicher kennen Sie so Momente der Verklärung, in denen alles klar war, alles wunderbar. Erinnern sie sich an diese Momente voller Harmonie, voller Freude und Schönheit, voller Liebe. Verklärte Momente, die wir nicht vergessen können, aus denen wir Kraft schöpfen? – Welche Momente fallen ihnen da jetzt ein? – Erinnern sie sich! –

Wenn jemand in der Bibel auf einen Berg steigt, dann geschieht dort meinst etwas Wunderbares. Gott offenbart sich! Gott zeigt sich einem Menschen in so einem perfekten Moment voller Schönheit und Liebe. – Mose war einer, der das erlebt hat: Am Berg Sinai offenbart Gott seine Gebote. Auch Jesus steigt auf einen Berg und hält dort die Bergpredigt. Er offenbart in einen solchen Moment der Liebe seine Vision vom Reich Gottes. – Und jetzt wieder so ein Moment. Alles voller Licht, alles verwandelt, alles ganz neu, einfach wunderbar. In einem perfekten Moment offenbart Gott Jesus als seinen geliebten Sohn. – Ist ihnen das auch schon einmal passiert? So ein verklärter Moment in denen ihnen total klar war, dass Gott sie liebt, dass Gott ihr Glück ist, ihr Friede, ihre Freiheit … ?

Mal ganz ehrlich! Wer will da so einen Moment nicht festhalten. Wer will nicht immerzu in perfekter Harmonie leben, im vollkommenen Glück schweben und einfach immer geliebt sein? Klar solche Momente wollen wir am liebsten festhalten. – Das was Petrus da machen will ist doch logisch: Lass uns drei Hütten bauen. Lass uns das so festhalten. Lass das immer so sein! – Solche perfekten Momente der Verklärung lassen sich nicht festhalten. Aber! Sie lassen sich abspeichern in unseren Herzen, die bleiben tief in unserer Seele. – Und das kennen sie doch auch, liebe Schwestern und Brüder. – Klar wir erinnern uns gerne an diese verklärten Momente voller Frieden und Wohlwollen zurück. Und wenn ich an diese Momente zurück denke, dann sind sie so eine kleine Steckdose, wo ich aufladen kann. – Können sie das auch? Auflagen aus Gottes Offenbarung? Auflagen aus diesen Momenten, die er uns geschenkt hat?

Ja, die Jünger müssen wieder runter vom Berg Tabor. Es geht zurück in die Niederungen des Alltags. Nach jedem perfekten Moment, in dem einfach alles voller göttlicher Liebe ist, geht es wieder hinab in die Niederungen meiner Angst, in die Abgründe meiner Persönlichkeit, in den Trott des Alltags, in das Dahinleben der Routinen unseres Lebens. – Dann ist es gut, diesen Gott an seiner Seite zu haben, der sich tief in inneren deiner Seele mit einem Moment der Glückseligkeit geoffenbart hat.

Aber wissen Sie, was das total krass ist! – Jesus steigt wieder auf einen Berg! Als Geschundener und Verurteilter steigt er mit seinem Kreuz auf den Kalvarienberg. Ein Moment der Harmonie, der Liebe, der Glückseligkeit? – Wohl kaum! – Aber dennoch offenbart sich hier Gott. „Du bist mein geliebter Sohn! Du bist mein geliebtes Kind!“ – Ist das nicht Wahnsinn. – Gott offenbart sich nicht nur in den perfekten und wunderschönen Momenten des Lebens. Gott sagt zu dir auch „geliebtes Kind“, wenn du nicht mehr weiter kannst, wenn du leidest und gequält wirst, wenn du am Ende bist, voller Angst: Ja selbst wenn du nicht mehr glauben kannst und schreibst „Wo bist du nur, Gott?!“, dann zeigt sich Gott, offenbart er sich, ist er bei dir und mit dir!

Verklärung nicht nur, wenn alles perfekt ist, sondern auch wenn Menschen scheitern.
Verklärung nicht nur, wenn alles voller Harmonie ist, sondern auch in Kampf und Streit.
Verklärung nicht nur, wenn alles wenn oben auf ist, sondern auch wenn du am Boden liegst.
Gott zeigt sich immer! Und er zeigt dir, dass du sein geliebtes Kind bist, so wie er es damals Jesus im Berg Horb gesagt hatte.

Stille

Sie haben alle Kerzen in den Händen. Lass uns diese Kerzen entzünden für Menschen, damit sie, egal wie ihr Leben gerade spielt, Gott erkennen, der voller Liebe ist.

Sarria, 24. Mai 2018