Pfarrei Teublitz 0006Sichtlich erfreut und zugleich gerührt von dem sehr guten Besuch des 150. Telemann-Konzerts in der Saltendorfer Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ konnte der Initiator und Leiter der Telemann-Konzerte Norbert Hintermeier die Zuhörer bei seiner Konzerteinführung begrüßen. Pfarrer Michael Hirmer verglich diese Konzertreihe mit der früheren Wallfahrt nach Saltendorf. Er zitierte dabei Pfarrer Georg Hartl bei der Einführung dieser Konzertreihe 1981. Pfarrer Hartl sagte damals, die regelmäßige Pflege der Kirchenmusik entsprechend des Kirchenjahres soll die Zuhörer, die vor allem auch aus dem Umkreis kommen, anziehen und gleichsam die Wallfahrt auf diese Weise wieder beleben.
Pfarrer Michael Hirmer stellte daher den Sinn und Wert einer Wallfahrt im Zusammenhang mit der Konzertreihe in den Mittelpunkt seiner Begrüßungsansprache.

„Eine Wallfahrt lässt uns aus dem Hier und Jetzt aufbrechen an einen anderen, neuen Ort. So auch die Musik. Sie führt uns aus dem Stress und dem Allerlei des Alltags hin zur Muse, zur Entspannung und zur Weite.“ Musik sei das spirituelle Medium schlechthin, so der Pfarrer, um aus Raum und Zeit auf die Ewigkeit Gottes zu verweisen. „Eine Wallfahrt führt uns durch verschiedene Landschaften: Wälder und Wiesen, Berge und Täler. Auch diese Telemannkonzerte führen durch Epochen geistlicher Musik vom Barock über die Klassik hin zur Romantik und Modere.“ Dabei haben die Telemann-Konzerte ein klares Ziel vor Augen. „Von Anfang an“, betont Hirmer, „hat unser Kirchenmusiker Norbert Hintermeier diese Konzerte als Meditation, ja als Gebet gestaltet.“ So stünde Gott im Mittelpunkt der geistlichen Musik und der Betrachtungen. „Eine Wallfahrt braucht natürlich auch jemanden, der voran geht, der die Wallfahrer auf ihren Weg zum Ziel vorangeht.“, dankte der Pfarrer daher auch besonders „seinem Kirchenmusiker“ und den vielen Sängerinnen, Sängern und Instrumentalisten für die Kontinuität und Ausdauer dieser Konzertreihe, die nun die große Anzahl 150 erreicht hat und seit über 37 Jahren besteht.

Für dieses Jubiläumskonzert am Fest „Taufe des Herrn“ wählte Norbert Hintermeier eine ganz besondere Weihnachtsmusik aus. Die Instrumentalwerke stammten von Georg Philipp Telemann und seinen Zeitgenossen, die Vokalmusik aber von seinen Vorgängern und verschiedenen frühbarocken Komponisten. Viele dieser Werke erlebten dabei eine „Saltendorfer Erstaufführung“: Pastoralmusik, Verkündigungskantate, Vertonungen von bedeutenden Bibeltexten (wie dem Magnificat), liturgische Sonaten und Konzerte, Weihnachtsarien und die Marianische Antiphon der Advents- und Weihnachtszeit standen auf dem Programm.

Nach einer Pastorale für drei Violinen und Basso continuo des Straßburger Münsterorganisten Johann Georg Rauch sangen Elisabeth Schöx (Sopran) und Michael Weigert (Tenor) die frohe Botschaft „Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird“ in dem geistlichen Konzert von Johann Vierdanck, einem Schüler von Heinrich Schütz. Aus der gleichen Zeit, der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, stammte auch die Magnificatvertonung von Philipp Friedrich Böddecker. Dieses „Canticum“ ist nicht nur fester Bestandteil in der Liturgie beim abendlichen Stundengebet, sondern steht vor allem auch im Zusammenhang mit dem Marienfest „Mariä Heimsuchung“, dem Patroziniumsfest der Saltendorfer Kirche. Dass diese exzellente Kirchenmusik mit der Sängerin Elisabeth Schöx eine ausgezeichnete Interpretin hatte, die es verstand diesen Stil mit den vielen Taktwechseln und wortbezogenen Phrasen werkgetreu darzustellen, soll besonders unterstrichen werden. Ebenso großartig beherrscht Michael Weigert diesen Stil der italienischen Monodie, die er zusammen mit der Sängerin in der Antiphon „Alma Redemptoris Mater“ von Pater Benedikt Lechler unter Beweis stellte. In dieser Antiphon kommt die innige Hinwendung zu Maria als Mutter Gottes zum Ausdruck. Eine Weihnachtsarie des Oberpfälzer Georg Reichwein und eine Vertonung „Gloria in excelsis Deo“ von Johann Staden wurde von den Geigern Robert Traurig, Johann Wiendl und Michael Rauscher bestens begleitet. Die Instrumentalwerke von Telemann, z.B. eine Sonate für drei Violinen, wurden durch diese Violinisten, zusammen mit Kathrin Thomann und Wolfram Kangler (Violoncelli) und Norbert Hintermeier am Cembalo musikalisch, technisch sehr versiert und äußerst ansprechend wiedergegeben. Beim abschließenden Violinkonzert F-Dur für Solovioline, zwei Violinen und Basso continuo des Süddeutschen Telemannzeitgenossen Johann Valentin Rathgeber brillierte Michael Rauscher als Solist und im wohlklingenden Zusammenspiel mit seinen ausgezeichneten Instrumentalkollegen.

Diakon Heinrich Neumüller und Pfarrer Michael Hirmer lasen Texte zum Nachdenken, Pater John sprach ein Mariengebet. Mit diesen Texten wurde dem Konzert zusätzlich geistliche Besinnung, so wie Impulse des Nachdenkens, gegeben.

Für den überaus großen Applaus der Zuhörer dankten die Musizierenden mit der Darbietung einer Vertonung des „Et incarnatus est“ von Baldassare Galuppi für zwei Singstimmen und Streichorchester aus der Klosterbibliothek Einsiedeln/Schweiz als Zugabe. Damit ging ein sehr ansprechendes, festliches „Jubiläumskonzert“ zum Abschluss der weihnachtlichen Festzeit 2018/19 zu Ende.

 

Teublitz, 12.01.2019