DSC 2179Die Saltendorfer Telemann-Konzerte bieten für die Musikfreunde immer Neuentdeckungen, sowohl hinsichtlich der Besetzung wie auch der Komponistenauswahl und der entsprechenden Kirchenmusikwerke. Auch beim 151. Konzert anlässlich des Fastensonntags „Laetare“ konnte diese Erfahrung wieder bestätigt werden.

Frühbarocke Werke der italienischen Musiker Giulio Mussi (Venedig 1620), Giacomo Carissimi (Kapellmeister in Rom) und Alessandro Grandi (Venedig 1621) gehörten diesmal neben einer Instrumentalkomposition von Johann Valentin Meder (Domorganist in Riga bis zu seinem Tode 1719) und einer Kantate von Franz Tunder (Lübeck) zu den Saltendorfer Erstaufführungen. Dass natürlich bekannte Komponistennamen wie Johann Sebastian Bach oder der Namensgeber der Reihe, Georg Philipp Telemann, nicht fehlten, ist schon selbstverständlich.

Eingeleitet wurde diese Passionsmusik mit einer Canzone für zwei Soloinstrumente und Basso continuo. Diese Instrumente waren als Diskantinstrument die Blockflöte und als Bassinstrument das Violoncello. Die Begleitfunktion übernahm die Orgel. Besonders glücklich war diese Musik als passende Überleitung zu der Passionsmotette für Bass „O vulnera doloris“ von Giacomo Carissimi ausgewählt. Bei dieser Solomotette zeigte Martin-Christoph Dieterich die virtuose und gestalterische Fähigkeit seiner klangvollen Stimme. Da Pfarrer Michael Hirmer vor der Darbietung die deutsche Übersetzung las, konnten die Zuhörer den Inhalt der Komposition aufnehmen. Diese Textübersetzungen, Meditationen und Gebete gliederten gleichzeitig dieses Telemann-Konzert und zeigten einen Bezug zum „barmherzigen Vater“ der am 4. Fastensonntag durch das Evangelium besonders gegeben ist. Eine interessante Anlage hatte die Motette „O dulce Nomen“ von Alessandro Grandi durch die immer wiederkehrende „Sinfonia“ zwischen jedem Versabschnitt, dass hier bereits eine rondoartige Anlage erkennbar ist. Clara Dietrich (Sopran) sang diese anspruchsvolle Solomotette mit schlanker, klarer „Barockstimme“, begleitet von Blockflöte, Violine und Basso continuo.

Eine Chaconne für Blockflöte, Violine und B.c. von Johann Valentin Meder war ein ansprechendes Instrumentalstück über ein gleichbleibendes Bassmodell. Hier zeigten die Instrumentalisten, Barbara Hintermeier (Blockflöte) und Michael Rauscher (Violine) ihr großes Können, das auch Kathrin Thomann (Violoncello) und Norbert Hintermeier (Orgel) bestätigt werden muss. Besonders war dieses Können bei dem Geistlichen Konzert „Salve, coelestis pater misericordiae“ (Gegrüßet seist du, himmlischer Vater der Barmherzigkeit) von Franz Tunder gefragt. Dieses Werk ist eine Umdichtung der mittelalterlichen Marienantiphon „Salve Regina“. Das Zusammenspiel zwischen Musiker und Sänger war sehr gut, dass ein besonderes Werk hiermit perfekt vorgestellt wurde. Diese Perfektion zeigte auch der junge Geiger Michael Rauscher bei der Wiedergabe eines dreisätziges Violinwerks von Telemann. Den Abschluss bildete passend zur Saltendorfer Marienkirche das Lied „Christi Mutter stand mit Schmerzen“, das alle Ausführenden gemeinsam mit den Zuhörern darboten. Als eine anspruchsvolle Einstimmung für die Passionszeit mit hervorragenden Solisten und ausgewählten Programm darf man dieses Kirchenkonzert bewerten.

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Saltendorf, 31.03.19