Pfarrei Teublitz 1003Am 06. April stand die Pfarrgemeinde Herz Jesu Teublitz solidarisch zu den Beschäftigen des Hansa-Werkes Burglengenfeld, das von der Schließung betroffen ist. In einem sehr emotionalen Grußwort betonte Pfarrer Hirmer, dass die Kirche auf der Seite der betroffenen Beschäftigen und deren Familien steht. Er zitierte mehrfach päpstliche Lehrschreiben die seit mehr als 130 Jahren betonen, dass die Würde der Arbeit höher zu bewerten ist als das Kapital. – Gemeinsam mit Pfarrer Franz Baumgartner aus St. Vitus Burglengenfeld wurde auch ein Solidaritätsadresse des Bistums Regensburg, Betriebsseelsorger, verlesen.

Teublitz, 06. April 2019

 

 

Manuskript der Rede von Pfarrer Hirmer

 

Bevor ich anfange habe ich eine Frage an Euch!
Hand hoch – wer arbeitet schon 10 Jahre oder mehr bei der Hansa
Hand hoch – wer arbeitet mehr als 20 Jahre bei der Hansa
Hand hoch – wer arbeitet mehr als 30 Jahre bei der Hansa
Hand hoch – wer arbeitet mehr als 35 Jahre dort
Kommt vor – kommt auf die Bühne –
Wir müssen die Menschen sehen, um die es hier geht  (35+ kommen auf die Bühne)

Und jetzt frage ich euch!
Haben diese Menschen es verdient so behandelt zu werden? ….
Ich frage euch!
Haben diese Menschen es verdient nach so langer Zeit, einfach abgeschrieben zu werden?
Ich frage euch weiter!
Haben diese Menschen es verdient, in ihrer Lebensleistung betrogen zu werden?

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Als erstes danke ich den Betriebsräten, die mich eingeladen und gebeten haben heute für ihre Arbeitsplätze zu demonstrieren. Es ist für mich ein Selbstverständlichkeit für eure Arbeitsplätze, für eurer Werke, für euren Betrieb einzutreten. Nicht nur als Pfarrer von Teublitz sondern auch als Beauftragter des Dekanates Schwandorf für Soziales brennt es mir im Herzen mit ansehen zu müssen, wie Eure Arbeit, Euer großer Fleiß, euer Können und euer Einsatz mit einem kalten Rechenschieber kaputt gemacht werden sollen.
Ich bin in großer Sorge gerade um ältere Arbeitnehmer. Ein Leben lang habt ihr gearbeitet. Viele Jahrzehnte für die Hansa. Und jetzt, Ende 50 Anfang 60, werdet einfach aussortiert.
Ich bin in großer Sorge um unsere Familien, die in ihrer Existenz bedroht sind,
Ich bin in großer Sorge um jeden einzelnen Mitarbeiter und jede einzelne Mitarbeiterin, die ihr Angst um euere Zukunft habt, obwohl ihr euch fleißig, kompetent und mit ganzer Leidenschaft für eurem Betrieb in der Region eingesetzt habt.
Ich bin in Sorge, dass die Mächtigen und Reichen es mit ihrem Geld schaffen, eure Solidarität und Zusammenhalt zu zerstören.
Ich bin in Sorge, dass die kalt rechnenden Bosse euch auspresst wie Zitronen. Dass die Reichen immer reichen und die Armen immer ärmer werden.
Ich bin in großer Sorge, dass der Mensch degradiert wird zum Produktionsfaktor, dass Bilanzen und Gewinne mehr zählen als menschliche Schicksale.

Liebe Freunde!
Die Kirche steht an eurer Seite! Wir Pfarrern, egal ob evangelisch oder katholisch, sind heute hier! Weil ihr uns wichtig seid! Ja, die Kirche steht an eurer Seite! Die Kirche hält nicht den Mund, wenn Existenzen zerstört werden. Die Kirche kann nicht schweigen, wenn eine Lebensleistung am Ende kaputt gemacht wird. Die Kirche ist nicht still, wenn der Kapitalismus die Menschlichkeit besiegt.
Gerade die Kirche steht in einer langen Tradition der Sozialethik durch ihre kirchliche Soziallehre.Seit über 130 Jahre mahnen die Päpste zu sozialer Gerechtigkeit. Vor 130 Jahren hat Papst Leo XIII schon klar Stellung genommen, dass der Mensch im Produktionsablauf der entscheidende Faktor ist: Nicht die Maschine, nicht das Kapital. Auch der bayerische Papst Benedikt XVI das überzeugene Streben nach Reichtum angeprangert und Papst Franziskus lebt uns vor, was es heißt solidarisch zu leben.
Im päpstlichen Schreiben „Laborem exercens“ (Ziff 12) heißt es deshalb ausdrücklich: Man muss „…vor allem ein Prinzip ins Gedächtnis rufen, das die Kirche stets gelehrt hat. Und zwar besteht es darin, dass der Arbeit eine größere Bedeutung zukommt als dem Kapital; und zwar betrifft dieses Prinzip direkt den Produktionsprozess, für den die Arbeit immer eine der hauptsächlichen Wirkursachen ist, während das Kapital bloß Instrument ist. Dieses Prinzip ist eine offensichtliche Wahrheit, die sich aus der ganzen geschichtlichen Erfahrung des Menschen ergibt.“ Es steht für die christliche Lehre außer Frage, dass jeder Mensch nicht nur ein Recht auf Arbeit hat, sondern die Arbeitgeber auch die Verpflichtung auf sich nehmen, Arbeit zur Verfügung zu stellen ohne dabei nur auf den Profit zu schauen. – Die Arbeitgeber haben zuerst die Würde des Arbeitgebers zu achten! Es ist eine „strukturelle Sünde“ zur Mehrung von Dividenden und Renditen den Menschen zu einem Produktionsfaktor herabzuwürdigen, der dann beseitigt wird, wenn die Gewinne für Einzelne erhöht werden sollen. Es ist eine Sünde, wenn der Mensch nur noch zweitrangig ist. Es ist eine Sünde, wenn das Geld wichtiger die Würde. Es ist eine Sünde, wenn der Kapitalismus unsere Herzen zerfrisst.
Der Mensch ist ein Abbild Gottes und hat somit ein Recht darauf, nicht als Kostenfaktor behandelt zu werden. Gottes Güte realisiert sich in dieser Welt nur, wenn alle sich für gelebte Nächstenliebe und gelebter christlicher Solidarität einzusetzen. Genau das forderte schon 1976 Papst Paul VI in seiner Enzyklika „Popolorum progresso“. Popolorum progresso heißt „menschlicher Fortschritt“. Und diesen menschlichen Fortschritt brauchen wir in Gottes Namen: Einen Fortschritt, bei dem nicht das Geld im Vordergrund steht, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht.

Jesus sagt das Ganze übrigens noch viel deutlicher, wenn er sagt: „Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen Gott und den Mammon.“
Kämpfen wir gemeinsam gegen diesen Mammon. Kämpfen wir gegen Lohndumping und Gewinnsteigerung. Kämpfen wir für eine solidarische Welt. Kämpfen wir für Werte, die uns voran bringen. Kämpfen wir für gelebte christliche Nächstenliebe. Kämpfen wir für einen fairen Handel hier und weltweit. Kämpfen wir für den Erhalt eurer Arbeitsplätze; für das Hansa-Werk.

So fordere ich die verantwortlichen Wirtschaftsbosse auf, unseren Standort hier – in Gottes Namen – zu erhalten und ein Zeichen zu setzen, dass nicht die Gier und der Kapitalismus diese Welt regieren und die Macht über die Herzen der Menschen gewonnen haben, sondern christliche Solidarität und gelebte Nächstenliebe. Ihr als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habt dies verdient und es steht euch zu!

Gott steht auf der Seite der Menschen. Und zu diesem menschenfreundlichen Gott will ich zum Abschluss dieser Kundgebung beten – dazu lade ich alle ein: - Beten wir gemeinsam
Stille

Gott, unser Schöpfer.
Die Gegensätze der Welt klagen uns an:
Reichtum und Not,
Hunger und Überfluss
Sorglosigkeit und Leid stehen sich gegenüber.
Hilf du uns allen,
dass wir aufhören, die Gegensätze zu verschärfen,
und anfangen,
einander Brüder und Schwestern zu sein.

 Segen