Pfarrei Teublitz 008Spatzen in der Kirche sind sehr willkommen, wenn sie brüten unterm Kirchendacht. Aber auch der Gesang der Spatzen erfreut das Gemüt eines jeden Menschen. Weniger beliebt in der Kirche sind die Dreckspatzen, die am Palmsonntag die Teublitzer Pfarrkirche heimgesucht haben und scheinbar nicht wussten, wie man sich in einem Gotteshaus verhält.






Als Pfarrer Michael Hirmer am Nachmittag des Palmsonntags um 15.00 Uhr das Sakrament der Beichte feiern wollte, kamen ihm zwei aufgebrachte Frauen entgegen, die kurz vor ihm in das Gotteshaus kamen. Sie konnten die Kirche nur schwer betreten, da die Eingangstür mit einem Aufsteller versperrt war. Als sie sich am Hindernis vorbei gezwängt hatten, fiel ihnen sofort die Unordnung im hinteren Bereich der Kirche auf. Das Weihwasser war verschüttet, ein Plastikeimer, der normal für Blumen verwendet wird, stand auf dem Weihwasserbecken. Die Flaschen für Weihwasser waren im Gotteshaus verteilt. Mit Palmbuschen, die hinten in der Kirche zum Verkauf auslagen, wurden die Opferkästen gestopft. Entsprechend mit Weihwasser und Palmbuschen war der Fußboden verschmutzt.

Den beiden Beterinnen fiel auch sofort die verwüstete Marienkapelle auf. Das Weihwasser auf dem großen Spender wurde abgelassen. Auf die vielen brennenden Opferlichter wurde ein Palmbuschen verbrannt und anschließend alle Kerzen gelöscht.

Sofort begannen die Frauen und weitere Gläubige, die auf die Beichte warteten, die Verschmutzungen in der Marienkapelle und dem Eingangsbereich der Kirche zu beseitigen.

Entsetzt zeigte sich Pfarrer Michael Hirmer aber dann, als der die Verunstaltungen im Altarraum bemerkte: „Hier wurden gezielt die heiligen Orte verdreckt.“ Der Ambo, an dem das Wort Gottes verkündet wird, wurde mit Pizzasoße beschmiert. Auf die Figuren um den Ambo wurden ganze Pizzastücke gespießt. „Nicht einfach war die Pizza hintern den Flügeln der Figuren wieder zu entfernen.“ Auch der Altar wurde in Mitleidenschaft gezogen. „Er ist ja der Tisch des Herrn.“, erklärt der Pfarrer, „und damit der heiligste Ort in einer Kirche.“ Auch hier fanden sich Verschmierungen und ganze Pizzastücke. Am Hochaltar des Gotteshauses wurde schließlich die leere Pizzaschachtel aufgestellt.

„Fast schon lachen musste ich darüber, dass sogar die Altarschellen in Mitleidenschaft gezogen wurden.“, zeigte Pfarrer Hirmer die weiteren Verunstaltungen auf, „hier wurde Pizzateig in die Glöckchen gestopft, so dass sie nicht mehr klingeln konnten.“ Auch die Kniepolster der Ministranten wurden quer durch den Altarraum geworfen.

Größere Schäden wurden an der Friedenskerze und dem Taufbecken gefunden. „Ich denke, dass die Randalierer kräftig an der zwei Meter großen Friedenskerze gerüttelt haben.“, mutmaßt der Pfarrer, „Denn der untere Bereich der Kerze wurde schwer beschädigt. Auch am mittleren Teil sind kleinere Spuren zu sehen.“ Ins Geld dürften aber die Schäden am Taufbecken sein. „Hier wurde versucht unsachgemäß die Abdeckung zu entfernen. Entsprechende Kratzer wurden auf dieser hinterlassen.“ Auch fanden sich beim Taufbrunnen und dem Osterkerzenständern wieder Pizzastücke.

„Nachdem ich das ganze Ausmaß gesehen habe, rief ich die Polizei, die noch während der Beichtzeit die Beschädigungen und Verschmutzungen dokumentierte.“, erklärt Pfarrer Hirmer sein weiteres Vorgehen, „Ich habe Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung gestellt.“ Der Pfarrer bedankte sich ausdrücklich bei den Gläubigen, die beichten wollten und spontan die ganzen Verwüstungen beseitig und die liturgischen Orte gereinigt haben.

Über den oder die Täter kann Pfarrer Michael Hirmer sich nur wundern. „Ich verstehe nicht, dass man so wenig Anstand und Respekt hat, so etwas zu machen. Es wurden schon bewusst die Orte verdreckt, die den Gläubigen besonders wichtig sind: Marienkapelle, Ambo und sogar der Altar.“ Über Spekulationen, wer der oder die Täter sind wollte sich der Geistliche aber nicht beteiligen, dies sei jetzt Aufgabe der Polizei. Sichtlich erbost war auch der zu Hilfe gerufene Mesner Günther Karcher: „So ein Saustall. Ist denn heute nichts mehr heilig?“

Für die Pfarrgemeinde ist die Sache noch nicht erledigt. „Ich habe natürliche die Mitglieder der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderates informiert.“, so Pfarrer Hirmer, „Wir überlegen, die Videoüberwachung der Kirche weiter auszubauen.“

 

Teublitz, 14. April´19