Pfarrei Teublitz3001„Uns hat es mit am stärksten getroffen.“, runzelt Pfarrer Michael Hirmer seine Sterin, „das komplette Leben unserer Pfarrgemeinde wurde uns verboten: Keine Veranstaltungen, keine Gottesdienste, keine Ausnahmeregelungen.“ In der Tat trafen die Regelungen, die im Zuge der Corona-Krise getroffen wurden, die Religionsgemeinschaften sehr hart. „Während man als Hausgemeinschaft spazieren gehen oder mit entsprechenden Abstand einkaufen darf, müssen wir unsere Kirchen sogar zusperren, wenn ich mit P. John alleine die Messe feiere.“, fragt sich der Pfarrer nach der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Dennoch unterstützt er die Maßnahmen: „Kirche muss Vorbild in der Gesellschaft sein! Und wir müssen die Menschen auch mit für uns so schmerzliche Maßnahmen schützen.“

Doch wer den Teublitzer Pfarrer kennt, weiß, dass Hirmer nicht im Jammertal versinkt: „Wir haben innerhalb kürzester Zeit gelernt, Seelsorge neu zu definieren und zu betreiben. Als Seelsorger bin ich gefragter denn je.“ Dabei scheinen die Geistlichen von Teublitz gerade Kreativität zu sprühen. Gleich zu Beginn der Krise wurde mit der Mittelbayerischen Zeitung eine Kooperation eingegangen, die weit über die Pfarrgemeinde hinaus geschätzt wird. „Ich habe den Chefredakteur der Mittelbayerischen für den Landkreis Schwandorf angerufen und ihn gefragt, ob wir nicht jedes Wochenende eine Seite in seiner Zeitung haben könnten, auf der wir Impulse und Gedanken zum Sonntag geben können.“ An Ostern ist mittlerweile der fünfte „Zeitungs-Gottesdienst“ erschienen. Auch das passende Gottesdienstvideo aus Teublitz wird über das Online-Portal der Zeitung mitgeliefert.

Es sind aber die vielen kleine Dinge, die jetzt wichtig geworden sind. Gemeinsam mit Pfarrvikar P. John und Diakon Heinrich Neumüller werden die Gläubigen zuhause angerufen und mit ihnen am Telefon gebetet. Auch werden fast täglich geistliche Impulse und Gedankten über Video-Botschaften in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Dabei wir auch aktiv die Pfarrgemeinde mit eingebunden. „Zum Karfreitag haben wir ein Kreuzweg-Video produziert. Familien beten dabei die einzelnen Stationen vor und die Chöre unserer Pfarrgemeinde singen dazu.“ Am Karfreitag wurde die Pfarrgemeinde eingeladen, diesen Kreuzweg zuhause zu beten. Besonders freute sich Pfarrer Hirmer aber über das Engagement der Ministranten, die am Gründonnerstag eine Gebetsandacht gestaltet und dazu ein Podcast hergestellt haben. Binnen kürzester Zeit wurde dieses im Internet an die 1000 Mal angeklickt. Vor allem die authentischen Gebete und Texte, die von Jugendlichen selbst verfasst wurden, rührten die Zuhörer an.

Bundesweites, ja sogar weltweites Echo erhielt Pfarrer Michael Hirmer aber auf eine andere Aktion. „Wir gehen zu den Menschen.“, beschreibt Pfarrer Hirmer sein pastorales Handeln. Seit Gottesdienst mit Gemeinde untersagt und eine Kontaktsperre erlassen wurde, machen Pfarrer Hirmer und Pfarrvikar P. John sonntägliche Spaziergänge. Dabei haben sie den Leib Christi in der Monstranz mit dabei uns ziehen betend durch die Viertel von Teublitz. Viele Menschen stehen dabei an den Türen, Fenstern und Gärten ihrer Häuser und lassen sich von den Geistlichen segnen. Jeden Mittwoch ziehen die Priester vor das Altenheim und bauen eine Lautsprecheranlage davor auf. „So können die älteren Herrschaften, die seit Wochen das Heim nicht verlassen und auch nicht besucht werden können, mit uns beten.“ Dass diese beiden Aktionen jedoch weltweit virulent wurden, kann sich Pfarrer Hirmer auch nicht erklären. „Nachdem wir angekündigt haben, dass wir durch Teublitz mit dem Allerheiligsten ziehen, bekam ich plötzlich aus Rom und den USA E-Mail.“, blickt der Pfarrer zurück. Eine US-Amerikanische katholische Nachrichtenagentur hatte diese Idee aufgegriffen und bewarb sie entsprechend als Beispiel, wie man kreativ mit den Einschränkungen umgehen kann. Mittlerweile haben viele deutsche Zeitungen darüber berichtet. „Ich bekomme aus dem ganzen Bundesgebiet Fotos von Freunden zugeschickt, die mir entsprechende Zeitungsartikel zeigen.“

Gefreut hat sich Pfarrer Hirmer aber auch über viele Telefonate, die er mit Amtsbrüder geführt hat. „Wir tauschen uns über Ideen aus und geben uns gegenseitig Tipps, wie wir den Menschen nahe sein können.“ Dabei überwindet dieser Austausch auch die konfessionellen Grenzen. „Ein evangelischer Pfarrer aus dem Landkreis Coburg hat mich angerufen und mir gesagt, dass er am Karfreitag mit einem Kreuz durch die Straßen seiner Pfarrei ziehen wird.“

Das aller wichtigste für Pfarrer Hirmer und seine Pfarrgemeinde ist jedoch das Gebet. Immer wieder lädt der Geistliche ein für die Betroffenen der Corona-Krise zu beten. „Wir dürfen die Menschen nicht vergessen, die unter Corona leiden: Die erkrankt oder sogar gestorben sind; die jetzt großartiges leisten im Gesundheitssystem; die politische Verantwortung tragen; die Einschränkungen erfahren oder diejenigen, die sich um ihre Zukunft sorgen.“

 

 

Teublitz, Anfang April´20