Pfarrei Teublitz4001Eigentlich wollten die Ministranten und die Jugendlichen der Pfarrgemeinde Teublitz am Gründonnerstag nach der „Feier des letzten Abendmahls Jesu“ wieder eine gemeinsame Agape mit anschließender Gebetsstunde in der Kirche feiern. In Zeiten von Corona war dies Heuer nicht möglich. Doch erfinderisch wie die Teublitzer Ministranten sind, haben sie sich etwas anders einfallen lassen, das vielen Menschen sehr zu Herzen ging.
"Nachdem sich wir Minis nicht in der Kirchen treffen konnten, haben wir gedacht, wir weiten der Kreis aus und laden alle Teublitzer zu dieser Feier ein.“, dachte sich der ehemalige Oberministrant Dominik Seck, der seit Jahren die Texte für die Gebetsstunde schreibt. In einem Brief wandten sich nun die Ministranten an alle Bewohner von Teublitz und erklären darin, warum sie Agape miteinander feiern. „Die Ministranten von Teublitz & Saltendorf feiern regelmäßig Agapen [Liebesmahl]. Dabei kochen wir gemeinsam eine Kartoffelsuppe und backen unser eigenes Brot.“, heißt es in dem an alle Haushalte verteilen Schreiben, „Dieses Gefühl wollen wir mit Ihnen teilen, um ein Zeichen zu setzten und Ihnen zu zeigen, dass wir trotz der Umstände zusammenhalten und im Glauben Gemeinschaft finden.“

 

So erarbeiteten die Ministranten ein Podcast, ein virtuelles Gebetsbuch. Viele Ministranten beteiligten sich und beteten die Texte vor. Oberministrantin Tina Emmert schnitt dann die einzelnen Audio-Dateien zusammen. Die Art und Weise, wie hier die Jugendlichen beteten, beeindruckt dann jedoch nicht nur Pfarrer Michael Hirmer sondern viele Menschen in Teublitz und weit darüber hinaus. „Wir waren nur drei Leute in der großen Teublitzer Pfarrkirche.“, erzählt Pfarrer Hirmer begeistert, „Ich lies den Podcast der Ministranten über die Lautsprecher der Kirche laufen. Es war für mich eines der schönsten Momente, die ich in diesem Gotteshaus erlebt habe.“ Als der Pfarrer später auf in der Nacht auf sein Handy schaut, konnte er es gar nicht fassen, wie viele Nachrichten er erhalten hatte: „Alle waren begeistert!“
Die Gebete und Texte, welche die Ministranten vortrugen, gingen bei den Zuhörern deshalb so tief, weil sie in authentischer Sprache die aktuellen Ereignisse um die Corona-Krise aufgriffen. Offen und ehrlich beten die Jugendlichen und brachten auch ihre Ängste im Gebet vor Gott. Verfasst und zusammengestellt wurden die Gebete von Dominik Seck, der vor einigen Jahren die Idee hatte, sich zur Agape mit anschließendem Gebet zu treffen. „Wir Jugendliche machen das ganz alleine.“, berichtet der ehemalige Jugendleiter der Pfarrei stolz, „Es ist einfach gemeinsam zu beten und Gemeinschaft zu sein. Man muss es einfach nur tun.“
Ganz so einfach und selbstverständlich wird das von der Pfarrgemeinde jedoch nicht wahrgenommen. „Betende Jugendliche sind in unserer Zeit eher eine Ausnahme. Umso mehr schätzen wir es in Teublitz so tolle junge Menschen zu haben.“, schwärmt Pfarrer Hirmer, „Sie sind ein Vorbild im Glauben für uns alle.“

Wie kam es zu den Agapen-Feiern in Teublitz? Dominik Seck über die deren Anfänge:
„Im Gespräch mit Michael Hirmer, über seine Zeit beim Cusanuswerk und den dortigen Morgen- und Abendimpulsen kam mir diese Idee. Das Cusanuswerk ist das bischöfliche Förderwerk und unterstützt Studierende auf ihrem Weg im Studium. Diese Zeit als Stipendiat, hat mich verändert, denn dort lernte ich die Zusammenarbeit mit anderen jungen Gläubigen außerhalb von Teublitz kennen. Diese Momente möchte ich nicht mehr missen, sie inspirieren mich und bestärken mich im Glauben und geben mir Recht darin, dass auch bei uns ein solch tiefer Glaube bei den Jugendlichen gelebt werden sollte. Die Bereitschaft der Minis bei den Agapen mitzumachen zeigt genau das. Die Minis haben Freude, daran eine auf sie angepasste Form der Glaubensverwirklichung zu haben. Dieses Jahr, war ein Beisammensein leider nicht möglich umso mehr freut es mich, dass die Gläubigen von Teublitz daran teilhaben konnten. Wenn wir physisch nicht zusammen sein können, so sind wir im Geiste und im Glauben immer vereint.

 

Teublitz, Gründonnerstag 09. April´20