Pfarrei Teublitz 0068Der elfte Tag der Pilgerfahrt nach Indien war für die Teublitzer sicher der Höhepunkt der Reise. Denn es ging in die Heimatpfarrei von Pater John Mathew, in ein kleines Dorf Namens Neyyaskry. Dort wartete ein warmherziger empfang auf die Oberpfälzer.
Gespannt und voll Vorfreude erwachte die Pilgergruppe am 27. Oktober. Nach dem Frühstück wurden sie von P. John überrascht, der in offiziellem weißen Priestertalar in der Lobby des Hotels warte. Die Anfahrt zur Pfarrgemeinde, in der P. John aufgewachsen ist, gestaltete sich zu einem kleinen Abenteuer. Denn die kleinen Straßen und Pisten waren nicht für einen großen Reisebus gedacht. Oft ging es nur im Schritttempo voran.

Auf dem Weg in sein Heimatdorf erklärte P. John, wie die christliche Gemeinde hier lebt. Es gibt dort ca. 1500 Christen, wobei aus der Pfarrgemeinde über 30 Priester und Ordensfrauen stammen. Jeden Abend kommen die Familien zusammen und beten gemeinsam. Am Sonntag geht jeder zur Kirche. Deshalb gibt es auch drei Sonntagsgottesdienste, um 06.00 Uhr, 07.30 Uhr und 09.45 Uhr. Alle Gottesdienste kennen in dieser Gegend nur volle Kirchen. Um 9.45 Uhr treffen sich alle Kinder und Jugendlichen. Schon vor dem Gottesdienst beten und singen die Kleinen. Nach der Eucharistiefeier geht es noch drei Stunden in die Sonntagsschule, da es in Indien keinen Religionsunterricht gibt. Katecheten, Ordensfrauen und Priester unterrichten die Kinder in Glaubensfragen.

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In Neyyaskry angekommen wurden die Pilger mit der „weißen Haut“ freundlich von einer Heerschar von Menschen willkommen geheißen. Noch nie hatten die Gemeinde Besuch von so weit her. Auch der Gemeindepfarrer und drei anderen Priester sowie vier Ordensfrauen begrüßen die Teublitzer. In der Kirche trafen sich die Jugendlichen. Pfarrer Hirmer scherzte mit ihnen über Fußball und den FC Bayern, der natürlich auch in Kerala bekannt ist. PGR-Vorsitzender Georg Niederalt, der Pflegedienstleiter der Uni-Klinik in Regensburg ist, erklärte den Jugendlichen, wie dringend Pflegekräfte in Deutschland gesucht werden. Denn der Ausbildungs- und Bildungsstand unter den Christen ist sehr hoch. In jeder Pfarrgemeinde gibt es Schulen. Viele Christen verlassen deshalb ihre Heimat und arbeiten auf den britischen Inseln, Arabien und den USA. Gerade im Bereich der Krankenpflege und Ingenieurwissenschaften sind die gebildeten Christen aus Kerala weltweit gefragt.

Pfarrei Teublitz 0035Den Gottesdienst feierte P. John in seiner Heimatsprache und dem Ritus der Christen von Südwestindien. Auch wenn die Oberpfälzer seine Predigt nicht verstanden, muss sie sehr lustig gewesen sein. Denn die Kinder und Jugendlichen lachten öfter und beteiligten sich durch Wortmeldungen. Am Ende der Eucharistiefeier durfte Pfarrer Hirmer das Wort ergreifen. In Englisch, von P. John übersetzt ins Malayalam, erzählte Hirmer der Gottesdienstgemeinde, dass es viele Unterschiede zwischen Deutschland und Kerala gäbe. Die weiße und die braune Haut, der Links- und Rechtsverkehr und der Schnee im bayerischen Winter. Doch eines, nämlich das Wesentliche des Lebens hätte man gemeinsam und das verbinde: Der Glaube an den dreieinen Gott. Pfarrer Hirmer bat die Gottesdienstgemeinde und vor allem die jungen Leute für die Kirche in Deutschland zu beten. Denn auch wenn Bayern reich an Geld ist, so seinen viele Menschen arm geworden in ihrem Herzen und ihren Seelen.

Nach dem Gottesdienst ließ es sich der Heimatpfarrer Mathew nicht nehmen die Pilgergruppe aus Bayern ins Pfarrhaus auf einen kurzen Snack einzuladen. Dabei überreichte der Gemeindeseelsorger ein Bild des „Barmherzigen Jesu“ als Gastgeschenk. Es soll, so Pfarrer Hirmer, im Teublitzer Pfarrheim einen Ehrenplatz finden. Natürlich musste ein großes Gruppenfoto gemacht werden. Dazu hatten sich die Kinder und Jugendlichen auf der großen Treppenanlage vor dem Gotteshaus aufgestellt.

Pfarrei Teublitz 0115Mit dem Tuck-Tuck ging es dann von der Kirche zu P. Johns Mutter. Die engen Straßen führen an Häusern vorbei durch urwaltartige Vegetation. Am Elternhaus von P. John angekommen wartete schon sein Schwager Arun, der im September die Pfarrgemeinde Teublitz besuchte. Er hatte für ein großes festliches Mahl gesorgt. Gespannt waren die Teublitzer, die Mutter von P. John kennen zu lernen. Die wartete auch schon ganz schüchtern in prächtigen Festgewand im Haus. Sichtlich stolz umarmte sie ihren Jungen und begrüßte die Gäste aus dem fernen Land. Als Zeichen des Dankes überreichte Pfarrer Hirmer ein Kreuz aus Glas, das im bayerischen Wald gefertigt wurde.

Die Gastfreundschaft und Wärme, mit der die Teublitzer empfangen wurden, ging jedem tief unter die Haut und rührte auch zu Tränen. Auch hier zeigte sich einmal mehr, dass der eine Glaube Menschen verschiedenster Kulturen und Sprachen zu einer großartigen Familie zusammen führt.

 

Pfarrei Teublitz 0101Nach dem opulenten Gastmahl bei P. Johns Mutter fuhren die Teublitzer auf dem Rückweg noch am St. Vinzenz Waisenhaus vorbei. Auch dort wurden ihnen in freundlicher Empfang bereitet. Der Leiter P. Samuel stellte das Haus vor. Seit 1975 wurden dort über 900 Kinder groß gezogen. Derzeit leben an die 30 Jugendliche dort. Oft können Kinder von ihren Eltern nicht groß gezogen werden, da ihnen die materielle Grundlage fehlt. Die Pater des Vinzentinerordens nehmen die Jungen dann auf, bilden sie in der eigenen Schule und ermöglichen ihnen so ein gutes weiteres Leben. P. John, der selbst für drei Monate ein Praktikum in diesem Heim gemacht hatte, spendet alles Geld, das er von Teublitzern zugesteckt bekommt an die Kinder von St. Vinzenz.

Pfarrer Michael Hirmer und P. John konnten deshalb eine Spende von 500,- € des Frauenbundes Teublitz an die Waisen übergeben. P. Samuel bedankte sich für die Wohltat. Auch PGR-Sprecher Georg Niederalt übergab weitere 350,- €, welche die Pilgergruppe spontan sammelte.

Über Stock und Stein und durch den nun schon gewohnten indischen Verkehrt ging es direkt in eine Hotelanlage an den Indischen Ozean. Hier werden die Pilger noch zwei Tage Urlaub machen können, bevor es zurück nach Bayern geht.

Fazit: Wunderschön! Unvergesslich! Mit Lob und Preis an Gott!

 

 

Neyyaskry,  27. Okt´19